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Wenn die letzten Worte schmerzen!

von Ernst Brandl, Vorstandsmitglied der Interessengemeinschaft Muttersprache

Anfang März verstarb der bedeutende österreichischen Dirigent Nikolaus Harnoncourt. Nicht nur in Österreich, auch international rief das Ableben von Harnoncourt ein großes Echo und tiefe Bestürzung hervor.

Die „New York Times“ schrieb von Harnoncourt als „wegbereitenden und einflussreichen Spezialisten für Alte Musik und respektierten Dirigenten“. Die „Süddeutsche Zeitung“ lobte, „Harnoncourt dirigierte mit der Unbedingtheit eines Propheten“, die „Neue Zürcher Zeitung“ sah ihn an „der Seite mit Größen wie Wilhelm Furtwängler und Herbert von Karajan“ und in Italien schrieb die „La Repubblica“: „Der Vater der barocken Renaissance hat uns verlassen.“


Obgleich seines Weltruhmes …


Und in Harnoncourts Heimat Steiermark? Nun da gelang bei der offiziellen Trauerpate der Steiermärkischen Landesregierung eine ganz besondere Blütenlese: „Obgleich seines Weltruhmes brachte er stets seine besondere Verbundenheit zu seiner Heimat, der Steiermark, vielfältig zum Ausdruck“, stand da in der Traueranzeige – unterfertigt vom Steirischen Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer. Vergegenwärtigt man sich die Wortbedeutung des Wörtchens „obgleich“ mit den Synonymen „auch, wenn“, „unbeschadet/ungeachtet der Tatsache, dass“, „wenn auch“, „wenngleich“, dann hat diese Formulierung etwas Abgeschmacktes.

Weltruhm hat nicht zwangsläufig Heimatvergessenheit zur Folge. Warum muss man dann das „Nicht-vergessen“ der Heimat „obleich des Weltruhmes“ so herausstellen? Ist etwa die Heimatvergessenheit schon Alltag in der Steirischen Landesregierung? Oder hat einfach der Verfasser nur wenig Sprachgefühl für unsere Muttersprache?

 

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